Der Begriff der Radierung stammt aus dem Lateinischen (radere „kratzen, wegnehmen, entfernen) und bezeichnet ein grafisches Tiefdruckverfahren der künstlerischen Druckgrafik. Für den Tiefdruck werden der glatten, ebenen Oberfläche einer Druckplatte Verletzungen in Form von Linien oder Punkten zugefügt (radieren). Dazu verwendet man eine Radiernadel.

Mit der Technik der Radierung haben Künstler*innen schon seit jeher experimentiert. Jedoch fordert das Bemühen um technische Raffinesse von den Künstler*innen große Erfahrung. Aber was ist daran so kompliziert?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir ein wenig ausholen und zunächst den Blick in die Entwicklungsgeschichte der Radierung werfen.

Infografik Radierung

Zur Entwicklung der Radierung

Schon im 15. Jahrhundert wurde Eisen für die Verzierung von Waffen geätzt. So lag es nahe, die langwierige und aufwendige Handarbeit des Kupferstechens durch den chemischen Prozess des Ätzens zu ersetzen. Nach vereinzelten Experimenten von Urs Graf und Albrecht Dürer erreichte die Radierung mit Parmigianino in Italien einen ersten Höhepunkt. Im 17. Jahrhundert ist die Radierung als Verfahren ausgreift und wird auf lange Zeit die wichtigste Drucktechnik sein.

Der Radierer zeichnet mit der Nadel völlig frei, durch den Ätzprozess werden die Linien eingeätzt und bekommen eine unterschiedliche Tiefe – sie sind auch deswegen nicht „gestochen scharf“ wie beim Kupferstich.

  • In der Radierung fanden die Künstler des 17. Jahrhunderts die adäquate Drucktechnik der malerischen Darstellung von Bewegung, Licht und Schatten. Die großen Meister der Radierung sind die Holländer, allen voran Rembrandt in Amsterdam.
  • Im 18. Jahrhundert schufen in Italien Tiepolo und Canaletto großartige, atmosphärisch wirkende Radierungen. Der Spanier Francisco Goya gilt als der überragende Meister der Aquatinta-Technik.
  • In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigten sich in Frankreich Pissarro, Manet und Renoir mit der Radierung.
  • Im 20. Jahrhundert Marc Chagall und Pablo Picasso.

Es gibt zwei prinzipiell verschieden Arten von Radierung, was die Herstellung der Druckplatte betrifft:

Bei der Kaltnadelradierung wird die Zeichnung mit einer Radiernadel aus härtestem Stahl direkt auf die Platte ausgeführt. Dabei können verschiedene Tiefen erzeugt werden, von zarten Linien bis zu tiefen Furchen und Punkten. Eine Ätzflüssigkeit wird nicht verwendet.

Bei der Ätzradierung wird die Platte mit einer weichen Abdeckschicht (eine Mischung aus Wachs, Harz und Teer) vorbereitet. In diesen Grund kann nun mit der Radiernadel gezeichnet werden. Im Gegensatz zur Kaltnadelradierung bleibt hier beim Zeichnen die Platte unversehrt, sie wird nur vom Ätzgrund freigelegt.

Das Ätzverfahren

Anschließend wird die Platte in die Ätzflüssigkeit – Salpetersäure oder Eisenchlorid – gelegt und geätzt, wobei die vertieften Stellen von der Säure angegriffen werden. Die Zeichnung wird so chemisch in die Platte eingraviert. Durch wiederholte Ätzvorgänge können verschieden tiefe Ätzungen erreicht werden. Eventuell: Bildpartien, die mehr geätzt werden, bedeckt der*die Künstler*in mit Asphaltlack. Nach der Ätzung wird die Platte gespült und gereinigt.

Die fertige Platte kann nun an jenen Stellen Farbe aufnehmen, die eine Vertiefung aufweisen. Die Druckfarbe wird auf der ganzen Platte verteilt und anschließend die überschüssige Farbe mit einem Lappen und Seidenpapier weggewischt.

Die Drucktechnik

Will der*der Künstler*in nun andere Effekte erzielen, wie z. B. einen gräulichen Hintergrund, so kann die Aquatinta-Technik eingesetzt werden. Die Aquatinta ist ein Ätzverfahren, das Flächen und nicht Linien hervorbringt. Durch Säure (=aqua fortis) werden dunkle (=tinta) Flächen hergestellt. Da bei großflächigen Ätzungen die Druckfarbe nicht haften bleiben würde, muss die Vertiefung durch ein Korn aufgeraut sein. Dies erzeugt man durch Bestäuben mit Asphaltkorn oder pulverisiertem Kolophonium. Durch Erhitzen werden die Partikel anschließend angeschmolzen, bis sie auf der Platte haften. Nach dem Säurebad entstehen winzige Kornflächen, die im Abdruck – je nach Beschaffenheit – einen zarten oder kräftigeren Grauton erzeugen.

Danach erfolgt der Druck.

Dabei wird ein angefeuchtetes Papier auf die Platte gepresst und die Farbe wird aus den Rillen und Vertiefungen wieder herausgesaugt und erscheint auf dem Druckpapier. Für den Druck wird eine Walzendruckpresse verwendet, da ein hoher Druck entstehen muss.

Die Druckplatten bestehen überwiegend aus Kupfer, oft auch aus Zink oder Messing. Eisenplatten sind heute kaum noch gebräuchlich.

Bei mehrfärbigen Radierungen werden mehrere Platten und für jede Farbe die dazugehörige Zeichnung vorbereitet. Beim Drucken muss der Drucker mit einer hohen Perfektion arbeiten und die Platten ganz genau platzieren, damit die Farben aufeinandertreffen, um ein ganzes Kunstwerk zu erzeugen. Nicht umsonst werden Radierungen von Meisterdrucker*innen in engster Zusammenarbeit mit den Künstler*innen gedruckt, denn das Verfahren erfordert ein hohes handwerkliches Können.

Die Radierung stellt eine der vielfältigsten künstlerischen Drucktechniken dar und es wurden zahlreiche verschieden Techniken entwickelt die zu unterschiedlichsten Ergebnissen führen. Dazu zählen, u.a. die Fotogravur, der Kupferschnitt, Aquatinta (s.o.) die Ätzradierung, und Intaglio. Wir werden in einem weiteren Blogbeitrag auf einige eingehen.

Wie wir gehört haben, schätzten Pablo Picasso, Marc Chagall, Salvador Dalì und viele mehr diese Technik und schufen wunderbare Werke. Aber noch hat die Radierung nicht ausgedient. Die Radierung bietet ein breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten wird von Künstler*innen sehr geschätzt  – so haben wir bei artinprint bereits 7 Radierungen herausgebracht.

Beispielsweise hat Anna Stangl für unsere women I Serie eine wunderbare Radierung geschaffen . Ihre Werke weisen eine hohe formale Qualität auf, die in ihrer feinen Linienführungen zum Ausdruck kommt.

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