Wichtige Drucktechniken: der Siebdruck (Serigrafie)

Wir beschäftigen uns im Rahmen unserer verlegerischen Tätigkeit auch theoretisch mit den klassischen Drucktechniken. In unserem Blog bringen wir Beiträge über Lithografie, Siebdruck, Radierung und andere handwerkliche Techniken der Druckkunst. Einfach zusammengefasst und auch für Laien gut verständlich.

Gerlinde Thoma hält ihre fertige Serigrafie in Händen | Foto: art in print

Der Siebdruck, auch Serigrafie genannt, ist ein spannendes Druckverfahren und kann auf vielen unterschiedlichen Materialien erfolgen. Das Verfahren eignet sich besonders für Kunstwerke mit scharfen Motiven und leuchtenden Farben; die Anzahl der Farben ist fast unendlich möglich.

Der Siebdruck ist ein Schablonen-Druckverfahren, auch als Durchdruck genannt, im Gegensatz zum Hochdruck (z.B. Holzschnitt), Tiefdruck (Radierung) und Flachdruck (Lithographie) und gehört zu den vier klassischen Formen der Druckgrafik

Geschichte und Geographie

Der Siebdruck ist die jüngste der grafischen Drucktechniken. Sie wurde in der Form, in der wir sie kennen, in der westlichen Welt um 1900 entwickelt. Diese Technik basiert auf sehr alten asiatischen Vorbildern, speziell aus dem fernen Osten und Japan. Damals wurden bereits Schablonen beim Bedrucken von Textilien verwendet.

Das technische Verfahren wurde in den USA perfektioniert und wurde bald darauf intensiv in der Werbegrafik eingesetzt. Man unterscheidet zwischen der Anwendung in der Gebrauchsgrafik und in der Kunst, in der sich der Begriff der „Serigraphie“ um 1940 herum in den USA etablierte.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Serigrafie auch in Europa verstärkt von Künstlern eingesetzt, so von Max Ackermann, Willi Baumeister und anderen. Der Siebdruck fand seinen Höhepunkt in der Pop Art – u.a. bediente sich Andy Warhol dieser Technik für seine ikonischen Werke.

Der Name Serigrafie leitet sich aus dem Lateinischen sericus (seiden) und dem griechischen graphein (aufzeichnen) ab, denn ursprünglich war Seide das bevorzugte Bespannungsmaterial für die Siebe. In Japan, das eine lange Tradition des sehr ähnlichen Schablonendrucks hat, wurden im 19. Jahrhundert die Siebe mit Seidengaze bespannt. Im Westen verwendeten die Künstler sogar „Seidenstrümpfe“. Der englische Begriff für Serigrafie „silk screen print“ deutet noch stärker auf diesen Ursprung hin.

Technik und Umsetzung

Beim Siebdruck wird die Druckfarbe mit einer Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe – das Sieb – auf das zu bedruckende Material gepresst. Das Sieb wird zuvor so präpariert ist, dass nur das Motiv bedruckt wird.

Der Drucker zieht die Farbe mit der Gummirakel durch das Sieb | Foto: art in print

Vorbereiten des Drucksiebes

Die Druckform des Siebdrucks besteht aus einem Rahmen, der mit einem Gewebe bespannt ist. Durch unterschiedliche Gewebefeinheiten kann der Farbauftrag variiert werden, sodass unterschiedliche Farbschichtdichten entstehen. Die Wahl der Gewebefeinheit ist abhängig von der Beschaffenheit des Bedruckmaterials, die Feinheit des Druckmotivs, der Größe der Farbpigmente und dem gewünschten Farbauftrag. Bei der maschinellen Verarbeitung sind feinere Gewebefeinheit möglich, da mit einem ungleich höheren Druck gearbeitet werden kann.

Lange Zeit wurde tatsächlich Naturseide als Bespannungsmaterial für den Siebdruck verwendet. Heute kommen Polyesterfasern zum Einsatz, die wesentlich widerstandsfähiger sind.

Das Drucksieb wird mit einer UV-Licht-empfindlichen Matsche eingeschmiert. Darauf legt der Künstler eine durchsichtige Folie, auf die das Motiv seitenverkehrt gezeichnet wurde. Diese Folie, auch Schablone genannt, wird mit dem Motiv versehen. Dies kann durch direktes Zeichnen auf die Folie geschehen oder durch digitale Übernahme von Fotografien u.ä.

Georgia Creimer zeichnet für ihren Siebdruck „biom – gelb“ direkt auf eine Schablone. Sie hat insgesamt drei Schablonen vorbereitet – eine für jede Farbe. | Foto: art in print
Diese Schablone wurde computergrafisch vorbereitet. | Foto: art in print

Nun wird das Drucksieb mit UV-Licht bestrahlt. Bei diesem Vorgang härtet die Matsche an allen Stellen aus, auf die das Licht fällt. Dort, wo das Motiv liegt, kommt kein UV-Licht auf das Sieb und die Matsche bleibt weich und matschig.

Belichtung des Siebes für die Grafik „aelous“ von Gerlinde Thuma, für die Edition women I von art in print. | Foto: art in print

Danach wird die Schablone heruntergenommen und das Sieb mit einer Wasserdusche ausgespült. Die gehärtete Matsche hat die Siebporen verschlossen. Die flüssig gebliebene ist ausgewaschen und die Siebporen sind offen geblieben. Hält man das Sieb gegen das Licht, sieht man die Konturen des Motivs.

Ein druckfertiges Sieb | Foto: art in print

Farbe mischen und Drucken

Die Künstlerin mischt die Farben. | Foto: art in print

Die Druckform wird über dem zu bedruckenden Material befestigt. Bei künstlerischen Arbeiten wird oft der ganze Prozess händisch ausgeführt und die Druckform in einen Rahmen gespannt. Beim maschinellen Druck kommt der Rahmen in die Druckmaschine und es werden nur die Teile des Siebes für die jeweilige Farbe freigelegt.

Die Farbe wird nun gemischt. Im künstlerischen Siebdruck wird in der Regel eine dickflüssige, wasserlösliche Druckfarbe verwendet, die sich aus den Sieben einfacher auswaschen lässt – entweder Acryl oder Gouache. Im nächsten Schritt wird die Druckfarbe auf das Gewebe aufgetragen und mit einer Gummirakel durch die offenen Stellen der Schablone auf den Bedruckstoff „gerakelt“. Dies erfolgt entweder maschinell oder händisch. Die Farbe wird dabei durch die Maschen des Gewebes gedrückt und auf das zu bedruckende Material aufgetragen.

Bei einem mehrfarbigen Druck muss für jede Farbe ein Sieb vorbereitet werden. Die Anzahl der Siebe (jedes für eine Farbe) kann sehr groß sein und lässt damit unzählige Gestaltungsmöglichkeiten zu.

Beim händischen Druck müssen die Siebe mit großer Präzision auf das bereits Gedruckte gelegt werden. Der Vorgang des Farb-Durchdrucks kann theoretisch unbegrenzt wiederholt werden, da sich die Auflage praktisch nicht abnutzt. 

Für diese Grafik von Georgia Creimer wurden auf einem Sieb für jede Farbe 3 Motive mit eigenen Schablonen vorbereitet, die dann jeweils einzeln gedruckt wurden. | Foto: art in print

Eine Serigrafie gilt – wie jede andere Druckgrafik – als Original, wenn die Bildidee und die Umsetzung vom Künstler durchgeführt und begleitet wird, die Auflagenhöhe festgesetzt wird und die Arbeit vom Künstler handsigniert und nummeriert wird. Die Umsetzung des Druckens erfordert eine hohe Fertigkeit und wird in vielen Fällen von spezialisierten Kunstdruckern in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen umgesetzt.

„aeolus“ , 2018, Siebdruck von Gerlinde Thuma | Foto: Mathias Baumgart
„biom -gelb“, 2018, Siebdruck von Georgia Creimer | Foto: art in print

Video: Herstellung des Siebdrucks „biom (gelb)“ von Georgia Creimer

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